Patchwork-Arbeit

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Wir wollen besser patchworken – und nehmen dich mit auf die Reise. Hier findest du unsere Patchwork-Tagebücher und kannst lesen, wie wir gerade Arbeit und Leben verbinden.

Jetzt. Immer jetzt.

 
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Die letzten sechs Wochen. Hm. Was ist alles passiert?

Wir waren alle krank, hatten Läuse, ich war ziemlich oft ziemlich erschöpft und der Januar war unfassbar anstrengend. Irgendwo habe ich gelesen “January was a tough year but we made it” und das trifft es ganz gut.

Ich hatte aber auch schöne Tage in Berlin, habe ein tolles Buch gelesen, ein Coaching gemacht, das Wichtige vom Unwichtigen getrennt, ziemlich viel erledigt, eine neue Liste geschrieben und spüre mich wieder mehr.

Wir waren im Schnee und haben uns richtig winterlich gefühlt. Mit Schlittenfahrten und heißem Apfelsaft. Und wir hatten schon richtige Frühlingstage. Mit rosa Himmeln und ersten Eisbechern.

Hier.

ein bisschen mehr ruhe, mehr luft, mehr grün.
immer wieder. immer wieder die gleichen fragen, die wir uns stellen. alle gemeinsam. jeder für sich.
hach. und ach.
wir müssen besser aufpassen. auf uns und unsere köpfe und herzen. das glück der kleinen dinge. jeden tag. auch in zeiten der veränderung.
schließt du die augen, um weiterzumachen? oder um besser sehen zu können?
wir lassen uns so selten irritieren.
denn nur so können wir leben.

Es gibt ja immer so Themen und Phasen, die auf einmal da sind und die man dann an jeder Ecke findet. In Gesprächen und Büchern und Artikeln. Themen, die einen anspringen, sich auf die Schulter setzen und nicht mehr verschwinden. So ging es mir in den letzten Wochen mit dem Thema … hm … wie soll ich es nennen? Das große Ganze? Wichtige Lebensentscheidungen?

Ich habe einen tollen Podcast mit Frithjof Bergmann gehört. Er ist der Begründer der New Work Bewegung. Im Podcast “On the Way to New Work” geht es um Arbeit im Allgemeinen und darum, dass Lohnarbeit nicht die Lösung ist. Frithjof Bergmann erzählt viel aus seinem Leben und spricht darüber, dass der Begriff New Work in der aktuellen Debatte egentlich gar nicht mehr richtig benutzt wird. Es geht bei New Work nämlich eigentlich immer um die große Frage, was wir wirklich, wirklich wollen.

Und dann kam noch ein Podcast: Endlich Om mit Alexandra Reinwarth. In der Folge geht es um ein Experiment, das Alexandra Reinwarth gemacht hat. “Was würde ich tun, wenn ich nur noch ein Jahr zu leben hätte?” So hat sie gelebt und Entscheidungen getroffen. Die Bestsellerautorin hat darüber auch ein Buch geschrieben: Das Leben ist zu kurz für später.

Ohne den Podcast hätte ich mir das Buch vermutlich nie gekauft, aber ich habe es tatsächlich innerhalb von zwei Tagen gelesen und es hat noch lange nachgewirkt.

Was ist wirklich wichtig? Wäre es auch wichtig, wenn ich nur noch ein Jahr zu leben hätte? Würde ich das dann machen? Würde ich mich darüber ärgern? Es klingt makaber, rückt aber wirklich viele Dinge wieder gerade. Sich darüber Gedanken zu machen, hilft tatsächlich dabei, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. Und einiges erscheint plötzlich in einem ganz anderen Licht.

“Es geht auch darum, sich von Stolz und (vermeintlicher) Peinlichkeit nicht zurückhalten zu lassen. Sondern zu tun oder zu sagen, was man gern noch sagen oder tun würde.” Endlich Om

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Jetzt.

ganz früh aufwachen
weil das herz so pocht und der himmel rosa ist
in der kalten luft stehen und gedanken sortieren
später dann der weit aufgerissene himmel auf der autobahn 
und ich fahre mitten rein
und alles ist echt und wirklich und passiert genau jetzt

ein großer berg entscheidungen, der auf einmal weg ist
einfach so
manchmal ist es egal, wie etwas ausgeht
hauptsache es geht weiter

Zur gleichen Zeit hatte ich die Möglichkeit, ein Coaching zu machen. Das war der perfekte Zeitpunkt, genau die richtige Kombination. Ich habe mich mit mit diesen großen Fragen beschäftigt und damit, was sie mit meinem Patchwork zu tun haben. Wir haben im Coaching aber auch über viele organisatorische Dinge gesprochen. Und ich habe jetzt viele Ideen und einen ziemlich guten Plan für die Elternzeit und danach. Es gibt neue Listen und Gefühle und eine große Vorfreude, mich endlich damit beschäftigen zu können.

Und dazu dieses Lied.

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Vom Leben.

Worüber ich in den letzten Wochen auch oft gestolpert bin: über mich und meine Gedanken. “Puh. Endlich ist diese anstrengende Woche vorbei.” “Hoffentlich haben wir den Januar bald überstanden.”

Aber das ist doch mein Leben. Ich kann doch nicht wirklich wollen, dass mein Leben schneller vorbei ist. Dass ich Tage nur “überstehe”.

Dabei mag ich doch mein Leben so gerne und bin glücklich. Wenn da nur der Alltag nicht wäre. Nicht immer so viel. Nicht immer so stressig. Aber wie bekomme ich denn jetzt mehr Leben in diesen Alltag?

Und da war es wieder, das wunderbare Zitat von Annie Dillard:

„How we spend our days is, of course, how we spend our lives.“

JA! GENAU! Und deswegen möchte ich mich wieder mehr auf die kleinen schönen Dinge im Alltag konzentrieren. Ich will nicht hetzen und froh sein, wenn die Zeit schnell vorüber geht. Ich will hier sein, jetzt sein, da sein. Ich will leben. So richtig.

Und bei all diesen Überlegungen fällt mir wieder ein alter, sehr toller Text von Sibylle Berg ein:

“(…) Tag für Tag etwas, das uns garantiert nicht interessiert, und wer zuerst aussteigt, der hat verloren. Nun kommt der Herbst und der Winter und die Gesichter der Menschen werden wieder blass und trüb. Sie laufen, wie aufgezogen, machen Dinge, die einem Menschen fremd sind und halten nur durch, weil sie wissen: Nächstes Jahr kommt wieder ein Sommer. Und dann werden wir leben. Nicht der Urlaub ist der Ausnahmezustand. Der Rest des Jahres ist es.”

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Dieses Licht.

Und dann waren da diese paar Tage, viel zu warm für Februar. Viel zu schön. Aber wie gut sie getan haben. Wie viel leichter alles war. Morgensonne, Abendsonne, die ersten Blüten. Und so viel Leichtigkeit.

Die nächsten Wochen

In den nächsten Wochen ist ein bisschen Endspurt. Noch ca. 8 Wochen bis zum Mutterschutz. Das heißt: Aufgaben erledigen, Texte schreiben, Übergaben machen, vorbereiten, besorgen. Das heißt aber auch: nochmal ein Besuch in Berlin und dazwischen hoffentlich möglichst viel Alltag und Frühling und Gesundheit und Energie. Und Leben. Für die großen Fragen ist danach wieder Zeit.