Patchwork-Arbeit

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Wir wollen besser patchworken – und nehmen dich mit auf die Reise. Hier findest du unsere Patchwork-Tagebücher und kannst lesen, wie wir gerade Arbeit und Leben verbinden.

Und dann?

 
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Auch wenn ich den Endspurt schon angekündigt hatte, war ich dann doch überrascht, wie intensiv er war. Wie stark es sich wirklich nach einem Endspurt angefühlt hat. Wie viel da noch zu tun war - auf Listen, Kalendern, im Kopf und im Bauch.

Und wie überwältigend dann das Gefühl war, als alles geschafft, alles abgehakt war. Erleichternd, überraschend, ein bisschen beängstigend. Da waren und sind aber auch Neugier und kribbelige Vorfreude - und eine große Müdigkeit.

Ich bin jetzt seit fast vier Wochen im Mutterschutz und so richtig angekommen bin ich noch immer nicht. Ich musste mich erst eingrooven, zurechtruckeln, neue Tagesabläufe finden und wieder das Zu- und Loslassen üben. Ich darf einfach im Bett bleiben, Serien gucken, spazieren gehen, Kaffee trinken, Musik hören & aus dem Fenster starren und einfach gar kein bisschen erledigen - wenn ich mich danach fühle.

Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit.

Denn ich habe noch eine lange To Do Liste. Eine mit all den Dingen, zu denen ich im Alltag nie gekommen bin. Mit privaten Dingen, Patchwork-Aufgaben und vielen Ideen und Plänen für meine Selbstständigkeit.

Jetzt ist endlich Zeit dafür. Raum. Irgendwie - und irgendwie auch nicht.

Denn, wie gesagt, ich bin müde. Und erschöpft - und ich höre einfach mal auf mich und meinen Körper und ruhe mich aus. Zwischendurch verbringe ich aber auch noch ganz viel Zeit mit meinem großen Löwenmädchen. Die letzten Tage nur sie und ich. Also schwänzen wir manchmal und vertrödeln einfach Tage zu zweit. Und das ist gerade so viel wichtiger als alles anderes. Dazwischen Treffen mit guten Menschen, Gespräche, die nachhallen und für die ich so dankbar bin. Gutes Essen, eine warme Katze an meiner Seite, ein paar Bücher und viele Erledigungen. Also findet meine Arbeit gerade viel mehr im Kopf statt. Ich denke viel darüber danach, was danach sein wird. Nach der Geburt, nach der Elternzeit, in Zukunft. Wir sind in unserem Alltag doch so selten in diesen “Und dann?-Zuständen” und wenn sie dann doch mal auftauchen, fängt es an in einem zu arbeiten. Denn ich weiß wirklich nicht, was auf mich, auf uns zukommen wird. Wie es sein wird. Wie soll mein Patchwork aussehen? Wird alles noch so funktionieren wie vorher? Will ich das? Wie wird das Leben zu viert sein? Wann will ich wieder arbeiten? Wann kann ich? Wie werden wir uns aufteilen? Was wird noch kommen? In diesem einen Leben?

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für das, was ich beschreiben will, fehlen mir die worte
also schweige ich
das, was ich fühle, kann ich noch nicht greifen
also bin ich still
so viele gefühle und worte und du und ich

und diese zukunft

Ich weiß noch nicht, wann ich mein nächstes Patchwork-Tagebuch schreiben werde. In etwa drei Wochen ist Geburtstermin. Theoretisch kann es jeden Tag losgehen oder eben noch länger dauern. Wir zählen Tage und halten die Zeit an. Ich bin gespannt. Wir sind gespannt. Und warten.

Und dann?

Und dann ist alles offen. Irgendwie. Das zu schreiben fühlt sich wahnsinnig frei an und beängstigend und schön und aufregend. Wie ein Abenteuer, ein weißes Blatt Papier.

Und dann? Was dann?

Wir werden es sehen.

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Manchmal hat man das Glück, der Veränderung zuschauen zu können. Dabei sein zu dürfen, wenn Wege sich ändern.

Ich werde darüber schreiben. Um es zu verstehen, muss ich es erzählen. Musste ich schon immer.

Bis bald.

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Mein Bauchdecke hebt sich rechts oben, ganz knapp unterhalb meines Rippenbogens. Ein Wesen taucht auf, fließt entlang der Oberfläche, drückt sich dagegen, bricht nicht durch, taucht wieder unter, Ich spüre es ganz tief und dann taucht es links, nahe der Leisten wieder auf. Wellenbewegungen.

Ich vermisse das Meer und der Schluckauf fängt wieder an. Ich halte mit der linken hohlen Hand diese Kugel, zu der mein Bauch geworden ist. Er ist prall und rund und schön und so voller Gefühle, dass ich kein einziges davon in Worte fassen kann.

Ein Eigenleben, er und ich. Eigentlich sie und ich. Aber das ist zu abstrakt, zu unwirklich, noch nicht da. Und gleichzeitig doch, immer präsent. Bilder wie Träume. Vorstellungen von etwas, was man sich nicht vorstellen kann. Ganz regelmäßig pocht der Bauch. Sie hat sich verschluckt.

Der Rest des Körpers noch gleich, Gedanken verschoben. Eine Ungewissheit im Hinterkopf. Eine aufgeregte Neugier in den Zehenspitzen. Nie alleine sein. Nie mehr.

Man wird im Leben so selten etwas anderes. Vom Kind zur Mutter. Definitionen. Ein Anfang, ein echter und etwas, das bleiben wird. Hoffnungslos hoffnungsvoll und ganz wirklich, so dass es schon wieder unwirklich ist. Ein Mensch in einem Menschen. Vier Beine, zwei Herzen, vier Augen, zwei Nasen, immer zusammen durch diese Tage.

Schluckauf im Herzen. Schluckauf im Bauch.

(09.07.2015)