Patchwork-Arbeit

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Wir wollen besser patchworken – und nehmen dich mit auf die Reise. Hier findest du regelmäßige Berichte von uns, und Unterhaltungen darüber, in denen wir noch tiefer gehen:

Über Lebenssituationen und eine kleine, große Entscheidung.

 
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Meine Patchwork-Dokumentation beginnt damit, dass auf einmal alles ganz anders ist. 

Nach 5 Jahren Solo-Selbstständigkeit, bin ich zum ersten Mal wieder festangestellt. Teilzeit natürlich.

Hätte mir das jemand vor ein paar Wochen oder Jahren gesagt, ich hätte es nicht geglaubt. Auf gar keinen Fall. Nie, nie wieder wollte ich angestellt sein.

Das Schöne und Spannende an der Patchwork-Arbeit war und ist für mich schon immer die Flexibilität. Die Möglichkeit, einzelne „Flicken“ oder „Zutaten“ anzupassen und zu ändern, so dass sie (wieder) in das eigene Leben passen. Dieses Leben, das eben nie gleich bleibt. Wieso sollte es dann die Arbeitssituation?

Aber von Anfang an: Als ich mich 2012 selbstständig gemacht habe, war ich 29 Jahre alt, habe mit meinem festen Freund in Berlin gewohnt und konnte super gut von wenig Geld leben. Ich wollte vor allem frei sein und genug Zeit haben für mein literarisches Schreiben.

Heute bin ich fast 35 Jahre alt, habe eine kleine wunderbare Tochter und wohne mit ihr und meinem Mann in Darmstadt. (Das hätte ich übrigens auch alles nicht geglaubt, hätte man es mir 2012 erzählt - aber das ist eine andere Geschichte)
Frei sein möchte ich noch immer. Und Zeit ist mir noch immer wichtiger als Geld. Aber ich stehe heute definitiv vor anderen Herausforderungen. Ich möchte Zeit für meine Tochter haben, Zeit für meine Familie und ja, auch Zeit zum Schreiben, für meine eigenen Projekte und für mich hätte ich auch gerne noch ein bisschen übrig.

Ein neuer Lebensabschnitt. Warum also nicht mal eine neue Patchwork-Situation ausprobieren?

Wir sind 2014 von Berlin nach Darmstadt gezogen. 2015 ist meine Tochter auf die Welt gekommen und nach der Elternzeit fiel es mir wirklich schwer, wieder so richtig einzusteigen. Damit meine ich vor allem: feste Kunden zu finden. Durch den Umzug hatte ich einige meiner festen Kunden verloren und durch die Schwangerschaft konnte ich mich leider auch nicht ausreichend darum kümmern, genug Ersatz zu haben. So ist die Situation entstanden, dass ich für viele verschiedene Kunden gearbeitet aka. geschrieben habe. Das heißt aber auch: Akquise, Akquise, Akquise. Und das ist so gar nicht mein Ding. Zeitintensiv, aufwändig und leider oft frustrierend. Nämlich dann, wenn man nicht mal eine Antwort bekommt.

So weit, so nervig.

Trotzdem habe ich nach einer Weile auch wieder Kunden gefunden. Ein fester Auftraggeber seit 2016 war Tandemploy - ein tolles Unternehmen aus Berlin, das zwei Freundinnen von mir gegründet haben und das unter anderem eine Software entwickelt, die Unternehmen von Innen heraus flexibiliert. Anna und Jana glauben an Arbeit, die ins Leben passt und setzen sich dafür ein, dass möglichst viele Menschen auch wirklich so arbeiten und leben können.

Die Arbeit für Tandemploy hat mir von Anfang an Spaß gemacht. Über Arbeitsthemen, Flexibilisierung und Vereinbarkeit schreiben? Kann ich :)
Mit der Zeit habe ich immer mehr Aufgaben übernommen und im Oktober 2017 wurde ich dann gefragt, ob ich nicht auch 20 Stunden in der Woche arbeiten könnte. Festangestellt.

Hui. Da musste ich erstmal drüber nachdenken und Pro- und Contra-Listen schreiben. Dabei ist mir dann schnell klar geworden, dass eine Teilzeitstelle für meine jetzige Situation gar nicht so schlecht wäre. Die ganze Akquise und Orga-Arbeit fällt weg und ich habe noch 1 1/2 Tage für meine Selbstständigkeit (die ich natürlich auf gar keinen Fall aufgebe) übrig. Der Hauptgrund für meine Entscheidung war jedoch ein anderer: mein Bauchgefühl.

Bei Tandemploy kann ich so frei bleiben, wie ich sein will. Ich arbeite noch immer selbstbestimmt, entscheide wann ich anfange und aufhöre und sitze in meinem geliebten Homeoffice.

Dank toller Tools (wie Slack, Favro usw.) klappt die Kommunikation hervorragend und alle 2-3 Monate fahre ich nach Berlin. Es gibt Schlimmeres. ;)

Es war also eine kleine, große Entscheidung - bei der sich alles und irgendwie fast nichts ändert.

Planbarkeit Olé.

Jetzt sehen meine Wochen also so aus, dass ich von Montag bis Donnerstag 20 Stunden für Tandemploy arbeite. Mittwochnachmittags (da ist Oma-Tag) und freitags arbeite ich jetzt immer für meine eigenen Sachen: Patchwork und mein Ernährungscoaching.

Und ich merke schon jetzt, nach knapp 1 Monat, dass meine Wochen planbarer sind. Ich muss nicht schnell reagieren, weil ich kurzfristig einen Auftrag bekommen habe. Ich kann wieder mit mehr Ruhe arbeiten. Für Tandemploy, aber auch für meine eigenen Projekte. Das ist schön und ich genieße es sehr. Ich merke aber auch, dass ich mich erstmal an den neuen Rhythmus gewöhnen muss.

Das ist also meine Ausgangsbasis im November 2017. 

Meine Hauptschwierigkeiten sind zur Zeit:

  • die Unmöglichkeit der Planbarkeit. Obwohl sie jetzt schon viel besser geworden ist. Aber wenn das Kind krank ist oder die Kita zu...
  • mein innerer Konflikt, meine eigene Arbeit - sprich meine eigenen Projekte - genauso wichtig zu nehmen wie meine Brot-Arbeit (diesen Konflikt gab es übrigens auch schon vor der Festanstellung)
  • der Versuch, einen guten Rhythmus zu finden, in dem ich für alles genug Zeit habe und vor allem ein gutes Gefühl (und nicht das Gefühl, dass ich nichts und niemandem gerecht werde)

Das klingt konkret so:

Wie organisiere ich mich, dass nich immer meine eigenen Projekte zu kurz kommen? Wie teile ich mich mit meinem Mann fair auf? Vor allem in Krankheitsfällen und Notsituationen.
Ist der Rhythmus/meine Aufteilung momentan gut? Gibt es eine/n bessere/n?
Werde ich jemals wieder schaffen, Zeit für mein literarisches Schreiben zu haben?

Das nehme ich mir als Aufgabe für die kommenden Monate vor:

Ich will eine gute Aufteilung für mich finden, um eine planbare und trotzdem flexible Woche zu haben.