Patchwork-Arbeit

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Wir wollen besser patchworken – und nehmen dich mit auf die Reise. Hier findest du unsere Patchwork-Tagebücher und kannst lesen, wie wir gerade Arbeit und Leben verbinden.

Boah statt Puh. Mein 2018.

 
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Mein letzter Patchwork Tagebucheintrag 2018. Und ich könnte ihn schon wieder mit einem „puh“ beginnen, wie so viele in diesem Jahr. Überhaupt dieses Jahr. So viel, so schnell, alles im Wandel. In mir, bei uns und außem herum. Was war da los? Mehr Fragen als Antworten. So wenig ankommen, so viel durchhalten.

Das große Finale.

Es fühlt sich ein wenig an wie ein großes Finale, in dem das alles enden musste.

Wir sind in den letzten Wochen umgezogen, haben beide viel gearbeitet und ich bin wieder schwanger. Ui.

Das war anstrengend. Ein Kraftakt. Mir ging es körperlich in den ersten Schwangerschaftswochen ziemlich schlecht, in der Wohnung gab es überall etwas zu tun und ausruhhen konnte ich mich quasi kaum. Denn da war ja auch noch unser ganz normaler Alltag, der einfach weitergeht. Darunter haben am meisten mein Patchwork und mein Sozialleben gelitten. Kein Zeit für Mails, keine Zeit für Nachrichten oder Treffen. Keine Gedanken an neue Projekte. Einfach nur machen, einfach weitermachen.

Neue Aussicht(en).

Neue Aussicht(en).

Überleben.

neue aussichten und gewohnheiten. am neuen ort. volle tage und große erschöpfung. jedes geräusch ist unbekannt. die dunklen ecken sind fremd, man weiß noch nicht, welche stelle des bodens knarrt und wo genau der lichtschalter ist. nachts wacht man auf und weiß nicht, in welchem zimmer man liegt, in welcher wohnung. man läuft noch gegen kanten und ecken, die es vorher nicht gab. blaue flecken und kratzer. innen und außen.


Ja, das hat sich ziemlich oft nach überleben angefühlt. Für leben hat die Energie nicht gereicht. Nie ganz da, immer ein bisschen durchsichtig. Immer auf dem Sprung. Arbeit ohne Pause, wenn der Rechner runterfährt, schon die Jacke in der Hand haben. Das Kind abholen, spielen, Alltag, kochen, Termine, To Dos. Nach dem Abendessen im Stehen schlafen. Haushalt Haushalt sein lassen. Kisten Kisten. Mails Mails. Weitermachen. Überleben.

Und ich schreibe das hier nicht, um mich zu rechtfertigen. Nicht vor euch, nicht vor mir. Ich will nur verstehen. Ich liste auf, rechne aus. Wie viel das war. Wie viel das ist. Das alles andere unmöglich gewesen wäre und wir schon jetzt nah an den Super(wo)man-Anzügen sind.

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“What if I Fall? Oh, but my darling what if you fly?”

Boah statt Puh.

Sobald es draußen kälter und dunkler wird und sich die Vorweihnachtszeit langsam ankündigt, komme ich immer in Jahresrückblicksstimmung. Mein Geburtstag Anfang Dezember trägt auch dazu bei. Bilanz ziehen, Revue passieren lassen.

Und statt darüber nachzudenken, wie schwer vieles war, wie anstrengend, wie oft ich “puh” geschrieben und gedacht habe, mache ich eine Liste mit all den Dingen, die ich, die wir dieses Jahr gemeistert haben. Was wir alles geschafft haben. Die kleinen Sachen und die ganz großen. Alles dazwischen. Auch das, was man immer vergisst.

Die guten Gespräche, die winzigen Gesten, dass man da war im richtigen Moment. Dass man sich eingesetzt hat und auch, dass man das Lieblingsbuch 13 mal hintereinander vorgelesen hat. Dass man geduldig war und sich selbst etwas Gutes getan hat. Die Mail, die man endlich geschrieben hat. Ein Abschied, den wir alle zusammen ganz schön gut gemeisert haben. Die kleinen und großen Kraftakte. Dass man sich selbst dabei nicht ganz verloren hat. Und die Liste wird immer länger und aus dem “puh” wird ein “boah” - weil wir alle jeden Tag ganz schön viel schaffen und wir uns das manchmal sagen müssen. Oder aufschreiben. Eine Boah-Liste.

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Darf ich hier bleiben? Kann ich hier einfach sitzen und warten?


Und ganz ganz langsam verändert sich etwas. Ein bisschen Ruhe und neue Lieblingsplätze finden. Die Müdigkeit endlich zulassen und sich anlehnen. Weil man das darf. Wirklich, versprochen. Ich zähle die Tage bis zu den Feiertagen. Weil ich diese besondere Zeit zwischen den Jahren so mag. Weil ich sie so sehr brauche dieses Jahr.

Und jetzt?

was alles passieren kann, was alles passiert ist.
2 mal blinzeln, eine drehung und trotzdem eine kleine halbe ewigkeit.
es inzwischen manchmal fast greifen können, wenn wir dort sitzen und reden und schweigen.
und wieder ist der dezember der monat der großen veränderungen. weichen werden neu gestellt. angst und vorfreude. alles auf einmal. alles jetzt. ganz viel musik. wie eigentlich das ganze jahr. aufregende zeiten, lachende und weinende augen und ein polterndes herz. wir freuen uns auf alles, was kommt, mit der gewissheit in der hinterhand, dass man es sowieso nie vorher weiß.

Kommt jetzt die Ruhe nach dem großen Sturm?
Ich will die Zeit zwischen den Jahren nutzen, um das alles sacken zu lassen, um das neue Jahr zu planen. Ich will mein Patchwork neu sortieren, unsere Elternzeit organisieren. Ich will diesen neuen Lebensabschnitt als Chance nutzen, um mich, um das alles neu zu ordnen. Was will ich? Wie viel davon? Und warum?

Ein Anfang ist ein Ende ist ein Anfang. Und ich habe ja schon immer daran geglaubt, dass alles so sein wird, wie es sein soll.