Patchwork-Arbeit

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Wir wollen besser patchworken – und nehmen dich mit auf die Reise. Hier findest du regelmäßige Berichte von uns, und Unterhaltungen darüber, in denen wir noch tiefer gehen:

Gedanken über Lebenwege, ein Rückblick und eine kleine Vorschau.

 
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Es ist Sonntag, 07:11 Uhr und ich mache gerade Kaffee. Heute ist der letzte Tag des Jahres und ich denke über dieses verrückte, volle Jahr nach und die letzten intensiven Wochen. Also, Kaffeemaschine noch mal stoppen und hinsetzen. Puh. Wo fange ich an?

Ich mag diese besondere Zeit zwischen den Jahren, mochte ich schon immer. Zwischenzeiten. Noch halb in diesem, aber schon ein bisschen im neuen Jahr. Zeit zum Nachspüren, Revue passieren lassen. Zeit zum Pläne schmieden, Utopien ausdenken.

Intensiv ist das passende Wort für die letzten Wochen. Sie waren auch anstrengend, ja, aber eben nicht nur. Sie waren aufregend und voll und verrückt. Und kräftezehrend und laaaang.

Was ist passiert seit meinem letzten Tagebucheintrag?
Viel. Viel Arbeit, viele Kurztrips, viele Verabredungen, Kita-Veranstaltungen, viele Punkte auf der To-Do-Liste, die noch abgehakt werden mussten. Und gleichzeitig wenig - wenige Pausen, wenig Zeit (für mich), wenig Bewegung, wenig gutes Essen und wenig Schlaf. Schlechte Kombination.

Wenn ich jetzt hier sitze und 2017 Revue passieren lasse, fühlt sich das ganze Jahr so an, dabei stimmt das gar nicht. Die letzten Wochen und Monate sind nur einfach so präsent.

2017 war voll und schön und verrückt und manchmal auch anstrengend und müde und glücklich und lebendig und aufregend. So, wie das Leben (mit Kind) eben ist. Das mit der Vereinbarkeit und Patchwork-Arbeit hat dieses Jahr eigentlich ganz gut geklappt, auch in den letzten Wochen. Nur mir ging gefühlt auf den letzten Metern die Puste aus. Warum ist das am Ende eines Jahres immer so? Kennst du das auch?

Gleichzeitig finde ich das aber gerade sogar ganz gut. Es ist ein idealer Ausgangspunkt, um das neue Jahr zu planen. Ich halte zwar nicht so viel von Vorsätzen, aber ich mag Pläne und Ziele und Listen und Wünsche.

Also habe ich mich hingesetzt und mir die wichtigsten Ziele und Vorhaben für 2018 aufgeschrieben. Für mich macht das nämlich einen großen Unterschied, ob ich mir etwas nur im Kopf überlege oder es aufschreibe. Es wird dadurch wichtiger, echter. Es wird vom Wunsch zum konkreten Plan.

Schreiben war und ist für mich ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich schreibe, um meine Gedanken zu sortieren. Ich schreibe, um mich zu erinnern, mich auszudrücken, mir über Dinge klar zu werden, mich zu sortieren. Ich schreibe, um Entscheidungen zu treffen, zu verarbeiten. Ich schreibe, wenn ich Dinge nicht sagen kann. Ich schreibe immer. Warum ich das alles erzähle? Mir hilft das Schreiben. Dir vielleicht auch?

„Schreiben zu üben heißt auch, sich mit seinem ganzen Leben auseinander zu setzen.” Natalie Goldberg

Außerdem habe ich auch noch eine Liste mit den Dingen geschrieben, die ich 2018 nicht mehr machen will. Dinge, die mich belasten und die ich loslassen will. Eine Not-To-Do-Liste.

Die mangelnde Bewegung hat mir in den Wochen wirklich sehr zu schaffen gemacht. Wenn ich schlecht und wenig schlafe, macht sich das oft in Form von Nacken- und Kopfschmerzen bemerkbar. Wenn ich viel arbeite (und sitze) spüre ich das vor allem im Rücken. Und wenn ich so durch die Wochen hetze, brauche ich dringend bewusste Pausen. Das weiß ich alles und trotzdem fällt es mir in vollen, stressigen Zeiten schwer, regelmäßig Yoga zu machen.

Also setze ich mir dafür 2018 wieder feste Termine, die genauso wichtig sind, wie andere Termine und nicht einfach verschoben werden können! Das fällt mir definitiv leichter, wenn ich in ein Studio gehe. Für die erste Yogastunde in der ersten Januarwoche bin ich schon angemeldet und ich freue mich wahnsinnig darauf. Wenn ich regelmäßig Yoga mache, bin ich entspannter, fühle mich fitter, habe weniger Rückenschmerzen, bin kreativer und arbeite konzentrierter.

Ein weiterer Punkt: Achtsamer sein. Wir erledigen so vieles nebenbei. Dabei verpassen wir oft, was gerade um uns herum geschieht. Wir genießen seltener den Moment und das Leben rauscht an uns vorbei.

Achtsamkeit ist so ein doofes Wort. Ein Modewort, das in den letzten Jahren deutlich überstrapaziert wurde. Aber was heißt es denn eigentlich? Achtsamkeit ist nichts anderes als Aufmerksamkeit, kurz gesagt. Achtsam sein bedeutet, bewusst zu leben. Wer bewusst durch sein Leben und seinen Alltag geht, ist entspannter, gelassener und fokussierter. In den letzten Wochen bin ich nur so durch die Tage gehetzt. Ein voller Kalender, keine Pause in Sicht. Der Stress führt dazu, dass ich Dinge übersehe und ausblende. Ich bin gereizt und mag mich so selber nicht. Außerdem habe ich gemerkt, dass Acht- und Aufmerksamtkeit noch wichtiger sind, wenn man viele Dinge vereinbaren will, wenn man einer Patchwork-Arbeit nachgeht.

Und deswegen will ich in den nächsten Wochen wieder achtsamer sein. Ich will bewusst die Dinge tun, die ich gerade tue. Ich will micht nicht hetzen lassen.

„Gehe, wenn du gehst. Sehe, wenn du siehst. Höre, wenn du hörst. Spüre, was du bist.“ Dieses tibetische Sprichwort bringt mein Vorhaben gut auf den Punkt. Für mich heißt das: "Arbeite, wenn du arbeitest. (Und zwar nur an dieser einen Aufgabe.) Iss, wenn du isst. Sei wirklich da, wenn du mit deinem Kind zusammen bist..."
So ganz praktisch heißt das: Öfter das Handy aus der Hand legen, sich Zeit nehmen, nicht immer schon an den nächsten Punkt denken, wenn ich gerade noch eine andere Aufgabe erledige. Hier sein. Jetzt sein.

Was mich sonst noch beschäftigt hat: Lebenswege.

Ich habe in letzter Zeit außerdem viel über Lebensläufe, Um- und vermeintliche gerade Wege nachgedacht. Über Menschen, die an Schul- und/oder Arbeitssystem „gescheitert“ sind. Vielen meiner Freunde und Bekannten ging oder geht es so (und auch ich zähle mich ein Stückchen dazu) und ich empfinde keine(n) davon als gescheitert. Im Gegenteil. Das sind alles kluge, mutige und kreative Menschen, die oft tolle Dinge machen.

Und da ist mir wieder ganz deutlich geworden, dass auch das ein Beweggrund dafür war, Patchwork zu gründen. Für die, die angeblich nicht in ein System passen, das wahnsinnig veraltet ist und sowieso in Frage gestellt werden kann bzw. muss. Auch ich wusste nicht, was ich nach meinem Studium machen soll. Ich habe mich sehr schwer getan damit, meinen Platz zu finden. Und das lag vor allem daran, dass ich das System „40-Stunden-Woche für die nächsten 40 Jahre“ absolut und überhaupt nicht verstehen und akzeptieren wollte. Wer sagt das denn, dass man so leben muss? Wer bestimmt das? Das ist doch mein Leben.  

Eine Freundin von mir empfindet sich als nicht arbeitsfähig und zu wenig belastbar - natürlich nur gemessen an gängigen gesellschaftlichen Vorstellungen. Ein anderer Freund kämpft gerade mit einem Burn-out - entstanden durch zu hohe Ansprüche und die unglaubliche Doppelbelastung von Arbeit, Familie und Hausbau.  

Viele Menschen, die alternative Wege einschlagen, patchworken. Manche weil sie müssen, aber auch viele weil sie wollen. Oft ganz unbewusst und ohne es so zu nennen.

Patchwork-Arbeit macht es manchmal einfacher, einen Platz/Weg zu finden, der sich richtig anfühlt. Für mich war es so. Ich wollte immer schreiben. Dann kam die Ernährung dazu und ich musste ja auch noch Geld verdienen. Lange hatte ich das Gefühl, nichts davon richtig zu machen. Nie hat etwas - nie habe ich - genügt. Erst als ich dieses Stückeln für mich akzeptiert habe, war es gut.

Mir sind durch das Nachdenken über diese Thematik wahnsinnig viele neue Ideen eingefallen und noch mehr Fragen:

Wie können wir es Patchworkern leichter machen? Wie findet man seinen Platz? Seinen Weg? Wann beginnt die Suche? Wann passt man nicht mehr in ein System? Schule? Arbeit? ...

 

Das nehme ich mir als Aufgabe für die kommenden Wochen vor:

Bewegung: Regelmäßig Yoga machen. Die erste Stunde ist vereinbart und ich habe mich zustzlich für ein Online-Programm angemeldet. Ich will wieder eine Yoga-Routine in meinen Alltag einbauen.

Achtsamkeit: In den nächsten Wochen will ich meinen Alltag achtsamer gestalten. Mehr offline, weniger online. Mehr bewusste Zeit, weniger nebenbei Erledigungen. Bewusstes Arbeiten, Spielen, Entspannen.

Dieses Lebensweg-Thema möchte ich gerne weiterdenken und daraus konkrete Ideen für Patchwork entwickeln.