Patchwork-Arbeit

Blog

Wir wollen besser patchworken – und nehmen dich mit auf die Reise. Hier findest du regelmäßige Berichte von uns, und Unterhaltungen darüber, in denen wir noch tiefer gehen:

Die eigenen Grenzen.

 
Alicia-patchwork-Bericht-4.png

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.

Da ist kurz der Reflex, mich entschuldigen zu wollen.

Dafür, dass jetzt wieder so ein Tagebucheintrag kommt. Einer darüber, wie schwer gerade alles ist. Und das noch immer/schon wieder Ausnahmezustand herrscht. Irgendwie so.

Und insgeheim frage ich mich, warum wir nicht letzten Sommer mit Patchwork angefangen haben, oder im Herbst. Da lief doch alles so gut. Da hätte ich wunderbar über Ernährung und Achtsamkeit, über Zeitmanagement, Vereinbarkeit und die Selbstständgikeit als Mama schreiben können. Aber jetzt? Jetzt hangle ich mich von Woche zu Woche und versuche den Kopf über Wasser zu halten.

Die eigenen Grenzen.

„Das mit den eigenen Grenzen ist ja immer so eine Sache. Man denkt, man kennt sie. Immerhin kennt man sich.
Und das schon lange. Man musste schmerzhaft die Grenzen erfahren. Grenzerfahrungen. Hat sich an sie gewöhnt, sie lieb gewonnen, als Schutzfunktion akzeptiert.
Und trotzdem gibt es im Leben immer wieder Situationen, in denen man sich verschätzt. Seine Grenzen vergisst oder einfach missachtet. „Geht schon". „Nein danke, ich schaffe das schon." „Ich will das so."
Ja? Und was, wenn es nicht mehr geht?
Sich Dinge eingestehen. Obwohl man sie doch schon weiß. Eigentlich.
Hilfe annehmen. Darum bitten.
Immer wieder.“

Und doch hat das alles auch etwas Gutes. In diesen Wochen, in denen ich Seiltanz auf meinen eigenen Grenzen tanze, spüre ich auf einmal wieder mehr. Spüre, was ich will und kann und auch das, was ich eben nicht will. Ich kann meine innere Stimme wieder besser hören.

Wenn da keine Kraft mehr ist, um nur zu funktionieren, tauchen plötzlich wieder die wichtigen Fragen auf: Was will ich eigentlich? Wie fühlt sich das an? Tut es gut, was ich mache?

Patchwork ist gut und richtig (für mich, für uns), ich muss es nur neu austarieren. Ich muss neu ausprobieren, wie viel von welcher Zutat gut ist. So wie es jetzt ist, stimmt es noch nicht ganz. Es knarrt und knackt und will nicht richtig passen.

Und ich blicke mich um und sehe überall das gleiche Bild. Jeder hetzt und rennt. Es reicht hier nicht und dort nicht. Immer nur kurz vor knapp. Immer nur "schnell schnell". Und jeder ist außer Puste und hat Druck und ich frage mich, wie das alles so geworden ist. Wann ist uns das passiert?

Wie wichtig es in solchen Zeiten ist, sich zu überlegen, wie man leben will. Wie man arbeiten will. Und welcher Luxus es gleichzeitig ist, sich diese Frage stellen zu können, zu dürfen. Aber gerade weil wir diese Freiheit genießen, muss man sich das immer wieder fragen. Und dann Antworten finden. Und dann versuchen, sie Stück für Stück in diesem lauten und schnellen Alltag umzusetzen.

IMG_6700.JPG
„Nein" sagen und glücklich damit sein. Sich dafür manchmal selbst auf die Schulter klopfen. Darf man auch mal. Muss man sogar.
Sich umdrehen. Und jetzt in diesem Moment wieder frei sein.“

Das, was hilft:

1. Um Hilfe bitten

Ich mache Dinge gerne alleine. Ich denke immer, ich schaffe das schon. Das stimmt auch oft. Dadurch habe ich aber verlernt, um Hilfe zu bitten. Dabei ist es so wichtig. Als Mama noch mal mehr. Es gibt so viele Situationen, in denen es nicht (mehr) ohne Hilfe geht. Wenn das Kind krank ist und trotzdem irgendeine dringende Aufgabe erledigt werden muss. Wenn ich selbst krank bin und eine energiegeladene 2 1/2-Jährige abgeholt und unterhalten werden will. Wenn manchmal einfach die eigene Kraft nicht mehr reicht.

Oft schaffen wir es die Dinge innerhalb unserer kleinen Familie zu lösen, aber manchmal eben nicht. Und wir haben das große Glück, Menschen in unserer Nähe zu haben, die uns gerne helfen. Wenn wir sie nur fragen und lassen. Um Hilfe zu bitten ist keine Schwäche. Im Gegenteil.


2. Nein sagen

Will ich das jetzt wirklich? Muss ich? Ist das wichtig? Dringend? Was bringt mir das?
Immer wieder ertappe ich mich dabei, Dinge zuzusagen, die ich eigentlich gar nicht machen will. Aufgaben zu erledigen, die mir eigentlich zu viel sind. Mit Menschen zu kommunizieren, die mir eigentlich gar nicht gut tun. Schluss mit dem eigentlich. Einfach Nein sagen.


3. Banden bilden

Letzte Woche habe ich kurzfristig einen Arbeitstag, der für meine freien Projekte gedacht war, gecancelt und habe mich stattdessen zum ausgedehnten Kaffee-Kuchen-Date getroffen. Jetzt, wo ich doch sowieso mit allem hinterherhinke? Ja! Und es war so gut und so richtig und so nötig.

Ich habe eine Frau getroffen, die ich noch gar nicht so lange kenne und auch noch gar nicht so oft gesehen habe, die ich aber sehr gerne mag. Sie ist auch Mama und Patchworkerin. Und uns verbindet noch viel mehr. Nach jedem unserer Treffen fühle ich mich energiegeladen und inspiriert. Auch diesmal war es wieder so. Wir haben so wunderbare Gespräche geführt und hatten tolle Ideen. Bei einer unserer Ideen ging es darum, viele tolle Frauen zusammen an einen Tisch zu bekommen. Zum Kochen und Reden und Kennenlernen und Pläne schmieden und zum Austausch und für Workshops und für alles, wonach uns der Sinn steht. Dazu aber vielleicht bald mehr. ;)

Jedenfalls habe ich danach wieder gemerkt, wie sehr mir das im Alltag oft fehlt. Ein Gespräch mit einem Menschen, der mich versteht und dem es genauso geht. Eine Gleichgesinnte.

Und wie wichtig es ist, sich Zeit für solche Treffen zu nehmen. Bildet Banden! Ganz egal, wie groß oder klein sie sind.

4. Eine kleine Auszeit nehmen

(vor allem dann, wenn es gerade überhaupt nicht geht)

Das schließt ja direkt an den oberen Punkt an. Manchmal muss man genau dann eine Pause machen, wenn man eigentlich keine Zeit dafür hat. Mir hilft das immer. Das scheint zwar im ersten Moment Zeit zu kosten, danach arbeite ich aber immer (!) viel konzentrierter. Mir geht es dann insgesamt besser und ich bin gelassener.

Unsere nächsten Wochen und Wochenenden sind ziemlich verplant und irgendwie war da gar keine freie Zeit in Sicht, aber dann hatte ich eine Idee... ;) Also fahren jetzt Mann und Kind am Freitag alleine zu Oma und Opa. Und ich komme am Samstag nach. Das heißt: ein freier Abend, eine ruhige Nacht und ein ganzer Vormittag für mich alleine. Boah <3

Im allerersten Moment habe ich tatsächlich kurz gedacht, dass ich dann ja mal in Ruhe ein paar Sachen nacharbeiten oder endlich den Kleiderschrank aussortieren könnte. Das habe ich aber ganz schnell wieder verworfen. Pff.

5. Auf den Boden setzen und nachdenken

Auch dieser Punkt ist oben schon aufgetaucht. In Zeiten, in denen ich das Gefühl habe, meinen Weg zu verlieren und mich nicht mehr zu spüren, ist es wichtig, mein Bauchgefühl wiederzufinden und auf mein Herz zu hören. Klingt pathetisch, ist aber so.

Was ist wirklich wichtig? Was für eine Mama möchte ich sein? Was für eine Freundin? Welches Leben möchte ich leben? Wie will ich meine Tage gestalten? Fühlt sich die Entscheidung gut an? Freiheit oder Sicherheit?

Auch hier gilt: Kurz Zeit nehmen (egal wie stressig alles gerade ist), auf den Boden setzen, nachdenken, spüren, hören, zulassen.

boden.jpg

Das klingt zum Teil ganz banal. Ja, ich weiß. Und trotzdem. Ich muss mich immer wieder daran erinnern. Im Alltag vergesse ich das manchmal oder ich erinnere mich nicht daran, WIE wichtig das alles ist. Also habe ich heute für mich (und auch für dich) diese Tipps aufgeschrieben. Als Reminder quasi.

Und jetzt? Ich schaffe das. Es wird gut. Da bin ich sicher. Der Frühling kommt. Wirklich.

Wenn man das erste Mal wieder alle Fenster offen lässt und die ganze Wohnung nach Frühling riecht. Es war höchste Zeit.
Nach anstrengenden Tagen, anstrengenden Wochen. Der Trotz größer als die Akzeptanz.
Das darf nicht sein. Nicht immer so schwer.
Wir können unter Wasser atmen. Wir lernen es.
Das mit dem Leben.
Barfuß über Gras, Sand und die vielen Fragen.
Komm wir träumen und stellen uns unser Leben vor.
IMG_6720.JPG

Das nehme ich mir als Aufgabe für die kommenden Wochen vor:

Ich möchte alle Tipps, die ich hier aufgeschrieben habe, umsetzen. Ich will mich ausruhen und Kraft tanken.  Ich nehme mir vor, einen ganz neuen konkreten Patchwork-Plan für meine Arbeit zu basteln.

Und dann kann es losgehen!