Patchwork-Arbeit

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Wir wollen besser patchworken – und nehmen dich mit auf die Reise. Hier findest du regelmäßige Berichte von uns, und Unterhaltungen darüber, in denen wir noch tiefer gehen:

Über ungeplante Sommerpausen & Freiheit

 
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6482

„If you ever wanna know what a mother's mind feels like, imagine a browser with 3241 tabs open. All. the time.“

Das habe ich irgendwo gelesen und dabei lachend mit dem Kopf genickt. Und gleichzeitig habe ich gedacht, dass es bei Patchworker*innen ja ähnlich ist. Sind es dann 6482?

Und dann habe ich noch diesen Artikel gelesen.

"Ich meinte irgendwann zu meinem Freund, dass es mich so stresst, dass das NIE aufhört. Selbst im Urlaub bekomme ich noch Messages von der Kita, wegen des Sommerfests, oder von der Putzfrau, die wissen will, wann sie kommen soll. Ich meinte: „Auch wenn ich einen stressigen Arbeitstag habe, rufst du mich zwischendurch an und fragst wo Quinns Regenhose ist. Es hört nie auf!“ Little Years

(In dem Artikel geht es übrigens auch um das Thema und einige der Fragen, mit denen ich mich hier beschäftigt habe. Dazu aber wann anders mehr.)

„Es hört nie auf.“ - Ich kenne das auch. Da ist immer noch eine Aufgabe, die erledigt werden muss. Immer noch ein Gedanke, eine Liste. Etwas, das an einem zieht und zerrt.

Irgendwie ist nie etwas wirklich zu Ende.

Da sind sie wieder: Die vollen, schnellen, wilden Zeiten.

Wir hatten einen unerwarteten Trauerfall, der uns viel beschäftigt hat und es noch immer tut. Eine Zwangspause. Eine gute. Ein Innehalten, das nachwirkt. Und dann noch die letzten Kitawochen, die letzten Arbeitswochen vor dem Urlaub, Übergaben hier, Wäsche waschen da, Geschenke, Organisation, Betreuungslücken füllen, ein Artikel, der fertig werden muss, Großeinkäufe, Entscheidungen, Vorfreude, so viel Abschied. Wir mittendrin.

Und dann kurz der Impuls, nur ein aufblitzender Gedanke: Geht das nicht auch anders? Einfacher?
Wäre es leichter, 25 Stunden festangestellt zu arbeiten und sonst einfach „nur“ Freizeit und Familie zu haben? Ohne Projekte. Ohne die Kunst. Ohne neue Ideen, die einen wach halten. Ohne 5 Websites und Blogs. Ohne „Ich könnte noch..“, „Ich müsste mal…“.

Dabei will ich das doch gar nicht. Ich will nichts davon hergeben. Ich bin das doch alles. Patchworkerin eben. Da ist das alles in mir drin.

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Was macht dir mehr Angst?

Und wäre es denn überhaupt einfacher? Wirklich?

Funktionieren war für mich schon immer anstrengender, als mein eigener Weg (so steinig er auch manchmal war). Eintönigkeit war immer schwerer zu tragen, als viele Projekte gleichzeitig.
Das ist bestimmt ganz individuell und auch immer wieder eine neue Entscheidung.

Aber es tut so gut: In diesen turbulenten Zeiten zu merken - Ich will das! Genau so und nicht anders. Das gehört eben auch zu diesem Patchwork-Dasein.

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So viel Lust auf weniger.

"Ich habe eine solche Sehnsucht nach weniger. Nach klar sein. Frei sein. Aufgeräumt im Kopf und außen rum."

Und nach dieser Vorrede, jetzt doch eine unerwartete Wendung. Denn an diesen 6482 Tabs ist eben schon was dran und ich kenne meine Grenzen, weiß, wie ich mit meiner Energie aushalten muss. Also kurz mal Ruhezustand vor dem Neustart. Ich freue mich so sehr auf unseren Urlaub. Auf Trödeltage. Offline sein. Ganz da sein, im Moment. Kein Haushalt, keine E-Mails. Die letzten Wochen sacken lassen, verdauen, gebührend Abschied nehmen - von Menschen und Lebensabschnitten.

Ich weiß, dass es nie aufhören wird und das ist gut so. Irgendwie.

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Das war der letzte Zeit meines Tagebucheintrags. Am 16. Juli. Halb fertig, unveröffentlicht.  Die letzte Woche war dann noch so voll gepackt mit Terminen und Listen und Aufgaben und dann wollte mein Kopf nicht mehr. Es folgten zwei krasse Migräneanfälle innerhalb von zwei Wochen und eine ungeplante Patchwork-Sommerpause, die heute offziell endet.

Es ist ja unser Patchwork.

Aber zurück. Mitte Juli. Mit Migräne im Bett und einem furchtbar schlechten Gewissen. "Ich muss doch noch. Ich will aber."

Geht aber nicht. So. Die eigenen Schutzmechanismen. 

Woher kommt dieser Reflex, trotzdem funktionieren zu wollen?

In diesen Momenten ist es gut, einen Menschen zu haben, der einen an die wichtigen Dinge erinnert. Oder in meinem Fall eine Ricarda, die sagt: "Mach dir kein Stress. Es ist doch unser Patchwork. Wir können entscheiden, wie wir es gestalten."

Ja. Ja! Absolut. Mein Patchwork. Unser Patchwork. Und wenn wir entscheiden, dass der neue Artikel erst nach dem Sommerferien erscheint, dann ist das eben so. Das ist unsere Freiheit. Meine.

Neuer Monat. Neue Herausforderungen.

Und diese Freiheit konnte ich so richtig genießen. Wir hatten wunderbare Sommerferien. Alle Aufgaben waren übergeben und abgehakt und es gab nur noch Eis und Badespaß und Zeit.

Jetzt bin ich schon wieder mittendrin, im Alltagsgewusel. Mein Patchwork klopft von allen Ecken an und in diesem Monat kommen noch ganz neue Herausforderungen dazu. Unser großes Kindergartenkind kann nämlich erst ab Ende August in den Kindergarten gehen. Das heißt für uns: Organisieren, abwechseln, organisieren. Zwischendurch Hilfe von Oma und Opa (so wie heute). Ich bin gespannt, wie das in den nächsten Wochen klappt. Ich werde davon berichten.

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Das nehme ich mir für die kommenden Wochen vor:

Ich will üben, noch besser zu priorisieren. Was ist wichtig? Was nicht? Sage ich oft genun "nein"?

Außerdem die große Aufgabe, mindestens zwei Patchwork-Teile gut zu vereinbaren - und das ganz ohne Kinderbetreuung.