Patchwork-Arbeit

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Wir wollen besser patchworken – und nehmen dich mit auf die Reise. Hier findest du regelmäßige Berichte von uns, und Unterhaltungen darüber, in denen wir noch tiefer gehen:

Ein Entschluss und 62 Quadratmeter.

 
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Meine Patchwork-Dokumentation beginnt mit einem Entschluss und 62 Quadratmetern. 

Der Entschluss ist: Ich will meine Selbständigkeit ab jetzt in Teilzeit ausführen. 

Die 62 Quadratmeter habe ich in meinem neuen Atelier, und sie überfordern mich völlig.

So sehr, dass ich die Türen zu zwei der drei Räume erstmal einfach nur geschlossen habe, und jetzt so tue, als gäbe es diese Räume nicht.

Ich bin dieses Jahr von München nach Leipzig gezogen und weiß nur zu genau, was das für ein Luxusproblem ist. In München hatte ich zwar auch ein Atelier (allein das ist schon Luxus!), aber mein Raum dort war etwa ein Sechstel so groß. 

Mit dem Umzug nach Leipzig habe ich unter anderem den Wunsch nach mehr Platz verknüpft, nach Freiraum, Gestaltungsraum, nach Luft zum Atmen. Genau das habe ich hier nun gefunden, in Form einer Dreiraumwohnung aus den 30ern, in einer ruhigen Bauhaus-Siedlung am Stadtrand, in der es um die Mittagszeit herum sehr eindeutig nach Braten und Zwiebeln riecht. 

Und genau dieser Freiraum macht mir jetzt zu schaffen.

Was mache ich denn nun wirklich damit? Wie verwende ich die Räume? Brauche ich neue Möbel, um die Räume zu füllen? Dürfen die auch einfach eine Weile ziemlich leer sein? Darf sich auch eine Raum-Nutzung langsam entwickeln, darf ich schauen, wo ich wie am besten was arbeite, bevor ich mich entscheide?

An dieser Stelle kommt mein neuer Entschluss in’s Spiel – die Teilzeit-Selbständigkeit. 

Ein bisschen Hintergrund: Meine Brot-und-Butter-Arbeit ist Die gute Website. Das ist mein freiberufliches Projekt, bei dem ich anderen Selbständigen helfe, eine Website selber zu bauen und vor allem sinnvoll zu nutzen. Das mache ich in Form von Vor-Ort-Workshops, bei denen ich mit meiner Kundin zusammen sitze und wir ihre Seite gemeinsam erstellen, und in Form von Online-Kursen, die jede*r jederzeit buchen und direkt loslegen kann. Diese Kombination ermöglicht es mir, weitestgehend ortsunabhängig zu arbeiten – daher auch der selbstmotivierte Umzug nach Leipzig. Diese Arbeit habe ich seit etwa zehn Jahren, und sie läuft inzwischen ziemlich stabil.

Dazu kommt meine zweite Arbeit, meine „eigentliche“ Arbeit, meine Kunst: Ich schreibe. Ich schreibe vor allem Gedichte und Essays, ich halte Lesungen, ich veröffentliche kleine Hefte. Das braucht Zeit, und es braucht (zumindest in meinem Fall) Ruhe und eine gewisse Kontinuität. Und weil ich seit etwa zehn Jahren diese Arbeit immer an die zweite Stelle geschoben habe, will ich, dass sie jetzt auch mal dran ist.

Deshalb die Teilzeit-Selbständigkeit, mit zwei Tagen Website-Arbeit, einem Tag Mails und Organisation und Kundengesprächen und zwei Tagen einfach nur zum Schreiben. 

Deshalb vielleicht: Ein Raum als Atelier für das Schreiben, ein Raum als Büro für die Websites. 

Deshalb: Ein noch viel stärkeres Patchworken, denn das ist jetzt eins, das sich nicht mehr verstecken lässt. Ich muss das meinen Kund*innen kommunizieren, ich muss schauen, wann ich erreichbar bin, wann ich wie Termine mache. Ich muss vor allem dafür sorgen, dass ich mich nicht selber dauernd austrickse, indem ich doch noch „diese eine Kundin“ annehme, und dafür kurz einen Schreibtag opfere, weil „Umsatz geht ja vor“.

Nee. Ich will nicht mehr, dass Umsatz vor geht.

Umsatz ist wichtig, und ich brauche ihn natürlich – aber immer weniger, und ich will auch weniger brauchen. Auch das kommt mit dem bewussten Umzug in eine Stadt, die günstiger ist und nicht so einen Geld-Fetisch hat. Eine Stadt, in der ich neu anfangen kann, mit neuen Prioritäten, mit einer neuen Arbeits-Aufteilung.

Das ist also meine Ausgangsbasis Ende Oktober 2017. 

Meine Hauptschwierigkeiten sind zur Zeit:

  • mein E-Mail-Postfach (beziehungsweise das schlechte Gewissen, dass es mir verursacht) und
  • meine innere Glaubwürdigkeit, die Frage danach, wie ernst ich meine selber gesetzten Schreibtage (lies: meine Kunst) nehme. 

Das klingt konkret so:

Wie lange darf ich Mails von Kunden und potentiellen Kunden liegen lassen? Darf ich Mails von wildfremden Menschen, die mir Website-Fragen stellen, ignorieren? Wie streng gilt das, wenn ich mir einen Schreibtag einplane? Wie vergebe ich Termine? Wie viele Kunden-Termine plane ich überhaupt für das kommende Jahr ein? Usw.

Das nehme ich mir als Aufgabe für die kommenden Monate vor:

Ich will Antworten finden auf diese Fragen, indem ich mir eine neue Klarheit in meiner E-Mail-Kommunikation schaffe und indem ich die Website- und Kunst-Blöcke für 2018 plane. Ich will austesten, wie meine neu strukturierte Teilzeit-Woche funktioniert. Und ich will versuchen, bei mir und diesen Ideen zu bleiben, auch wenn mit Sicherheit in der Realität wieder alles drüber und drunter geht.