Patchwork-Arbeit

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Wir wollen besser patchworken – und nehmen dich mit auf die Reise. Hier findest du unsere Patchwork-Tagebücher und kannst lesen, wie wir gerade Arbeit und Leben verbinden.

Vom Fließen und Spielen.

 
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Mein erster Sechs-plus-zwei-Wochen-Block ist inzwischen vorbei, und ich bin sehr glücklich um diese neue Einteilung. Meine Hoffnung, dass ich dadurch gezielter einen Fokus habe und besser andere Sachen loslassen kann, hat sich tatsächlich erfüllt.

Fokus: Flow.

Auf dieser Basis merke ich vor allem, dass es mir eigentlich gerade um Flow geht, um Flow und Spaß. Um einen Rahmen, den ich mir setze, in dem ich fließen kann, in dem ich Entscheidungen anpassen und auf mich hören kann, in dem ich Freude habe und an mir lerne. In dem ich spielen kann.

Das passiert auf so vielen Ebenen – von der Ernährungsebene, wo ich kein einziges Dogma mehr akzeptiere, über die Bewegungsebene, wo ich immer mehr lerne, mich so zu bewegen, wie mein Körper das gerade braucht, und ihm die Herausforderungen zuzumuten, die ihn zum Wachsen bringen, bis hin zu den verschiedenen Arbeitsebenen. Ich versuche, bei der Website-Erwerbsarbeit mehr Tätigkeiten spielerisch und experimentell anzugehen. Ich versuche, beim Schreiben mich mehr herauszufordern, mehr bewusst zu lernen, bewusst zu üben.

Dabei geht es mir auch um das Zusammenfügen der verschiedenen Abschnitte und Bereiche, um die Übergänge, dass die fließender werden und ich nicht selber erschrecke, wenn ich von einem Modus in den anderen wechsle.

Ort: neu.

Hilfreich war in den letzten Wochen, dass ich diesen neuen Schwerpunkt in einer neuen Umgebung üben konnte.

Ich würde mich eigentlich als eine Person beschreiben, die relativ viel Ruhe braucht, die ganz glücklich ist, wenn sie ein paar Tage lang kaum Menschen sieht, die Massenveranstaltungen und die Shopping-Meilen der Fußgängerzonen nur in Ausnahmefällen betritt.

Aber die letzten Wochen habe ich in einer Fünfer-WG (oder Sechser-WG, wenn man die Maus mitzählt) mitten in der Münchner Innenstadt gewohnt. Quasi in der Fußgängerzone. Mit allen Baustellen, allem Gehupe, allen feiernden Menschen, allen spontanten Küchentischgesprächen, die das mit sich bringt.

Ich bin nämlich für eine Weile in der Stadt und konnte das Zimmer einer Freundin zwischenmieten, die gerade umzieht. Und überraschenderweise finde ich’s (meistens) toll, zumindest solange ich Oropax in Griffweite habe.

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Denn diese neue Grundsituation hat bereits zu ein paar weiteren neuen Impulsen geführt.

Ich habe zum Beispiel aus Lust und Laune einen völlig anderen Website-Auftrag angenommen als sonst, und zwar für ein Literatur-Festival in Nürnberg, mit einer recht kompliziert umzusetzenden Programm-Übersicht. Aber dafür habe ich mir neue Squarespace-Tricks beigebracht, und es ist eine ziemlich coole Seite dabei entstanden.

Ich habe einen anderen Tagesrhythmus entwickelt, passend zu diesem neuen Ort und dem Sommer und den Menschen, die hier um mich sind; ich bin lange wach und schlafe lange und rolle auf den neuen E-Rollern durch warme Sommernächte – wie früher fühlt sich das ein bisschen an und macht sehr viel Spaß.

Ich habe an einem Handstand-Workshop teilgenommen, und übe gerade kräftig, die Welt umgedreht zu sehen und mich auf meinen Händen zu tragen. Heißt natürlich auch, dass ich kräftig Muskelkater habe, und dass ich kräftig das Fallen übe :)

Und ich habe eine neue Frisur, aber das habe ich noch in Leipzig machen lassen – trotzdem freue ich mich tierisch, dass ich jetzt Locken habe, denn ich wollte schon immer Locken haben. Und in meinem aktuellen spielerischen Mindset habe ich mir das endlich erlaubt, und das rockt mich.

Es gilt meist auch das Gegenteil.

Auch wenn ich ganz glücklich bin, wenn sich gerade mal nichts ändert und mal nichts Neues auftaucht und ich meinen schönen ruhigen Alltag lebe, finde ich neue Herausforderungen und neue Perspektiven schon auch ziemlich gut.

Denn auch wenn wir uns als Personen begreifen und beschreiben, die so und so sind, haben wir alle manchmal ein Bedürfnis nach dem genauen Gegenteil. Die Kunst, die ich gerade lerne, ist es, diese anderen Bedürfnisse zuzulassen und mir selber zu ermöglichen. Und zwar in einem Rahmen, der für mich passend und sicher ist.

Die Sache mit dem Handstand ist ein ganz gutes Bild dafür: Manchmal lohnt es sich, die Welt auf den Kopf zu stellen. Und bis dir das halbwegs kontrolliert gelingt, brauchst du einiges an Übung, und gute Unterstützung.

Vielleicht ist es also Zeit, mal wieder etwas anders zu machen.

Vielleicht ist es Zeit, etwas Neues auszuprobieren oder etwas Altes loszulassen. Vielleicht ist es Zeit, eine deiner Selbstdefinitionen für einen Moment zu lockern, und zu schauen, was in dem Raum passiert, der dabei entsteht. Vielleicht ist es Zeit, dir Unterstützung zu holen für etwas, von dem du immer dachtest, du machst es alleine. Oder andersrum: Etwas alleine zu machen, was du dir bisher nicht zugetraut hast.

Ich will noch mehr auf mich hören, auf meinen Körper, auf die Signale, wie ich arbeiten und leben will. Nicht immer an meinen selbst gesetzten (meist sehr hilfreichen, aber gelegentlich limitierenden) Rahmen festhalten.

Und fest weiterhin daran glauben, dass Wachstum in täglichen winzigen Schüben passiert.

In dem Zimmer, in dem ich hier bin, hat meine Freundin einen Sauerklee, eine hübsche lilane Pflanze. Sie stand in einer Ecke am Boden, weil meine Freundin meinte, dass sie nicht so viel Licht verträgt. Von einer anderen Freundin wusste ich aber, dass diese Pflanze mehr Licht braucht, also stellte ich sie tagsüber immer an’s Fenster, und zog den dünnen Vorhang davor, wenn die Sonne zu stark brannte.

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Und in der kurzen Zeit, in der ich hier war, sind diesem Klee bestimmt über zwanzig neue Triebe gewachsen.

Es können sich Dinge verändern, und neue Impulse tun etwas.

So wachsen den Pflanzen ganz neue Arme und Triebe und Blüten, so wachsen mir neue Locken und neue Muskeln und neue Ideen und neue Rhythmen und es ist eben wirklich so: Stillstand will ich auch nicht, und ich kann viel integrieren.